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Blick in die Textilsammlung im Museumsdepot mit zahlreichen Kleidungsstücken in Regalen

Vom Arbeitskittel bis zum Zylinder

Die Textilsammlung des LVR-Industriemuseums

Drei elegante Abendkleider auf Figurinen

Eine Sammlung von Kleidung im LVR-Industriemuseum? Was da wohl gesammelt wird: Arbeits- und Berufsbekleidung ehemaliger Fabrikarbeiter, Schutzmäntel von Stahlkochern oder die Arbeitskluft der Scherenschmiede, Spinner und Weber? Gewiss – solche Kleidungsstücke werden im Depot auch aufbewahrt, machen aber nur einen kleinen Teil der großen textilen Sammlung des LVR- Industriemuseums aus. Der überwiegende Teil besteht aus Kleidung aller gesellschaftlichen Schichten von der Festkleidung bis zum Alltagsstück.

Zwei Charlestonkleider mit passenden leichten Jacken und Mänteln mit Federbesatz

Von schlicht bis opulent

Öffnet man einzelne Schubladen und Schränke im Museumsdepot, findet man zum Beispiel den Herrenanzug im modernen Schnitt von 2002. Hergestellt aus intelligenten „Antistress­Fasern" ist er knitterfrei und leicht waschbar – ideal geeignet für den Businessman von heute, der keine Zeit mehr hat für die Kleiderpflege. Oder Charlestonkleider aus den 1920er Jahren, die nur aus einem Hauch von Stoff, einem federleichten Chiffon bestehen.


Als Kontrast zu diesen schillernden Abendkleidern existieren in der Sammlung auch Alltagskleider, wie sie damals tagsüber zum Beispiel von Sekretärinnen getragen wurden. Daneben werden im Depot opulente Gesellschaftskleider bürgerlicher Frauen des 19. Jahrhunderts aufbewahrt: sorgfältig gearbeitete Seidenkleider mit züchtig hochgeschlossenem Oberteil und schmalen Schultern, während sich darunter ein weiter bodenlanger Rock aus verschwenderisch viel Stoff bauscht, der durch Untergestelle wie Krinoline in seine Form gebracht wurde. Diese Kleider repräsentierten den Wohlstand ihrer Trägerinnen und damit den wirtschaftlichen Erfolg ihrer Ehemänner.

Bodenlanges Baumwollkleid mit floralem Muster

Petticoats, Mieder und Capes

Das Hauptinteresse des LVR-Industriemuseums gilt jedoch der Alltagskleidung – sie macht den größten Bestand aus. Darunter befinden sich zum Beispiel viele Kleidungsstücke, die für eine jeweilige Epoche als charakteristisch angesehen werden.


Besonders erwähnenswert ist die Sammlung an Baumwollkleidung aus dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert. Bedruckte Kleider, Petticoats, Mieder, Capes, wie sie seit der Mechanisierung der Baumwollproduktion groß in Mode waren, und die heute sehr rar sind: Kleidungsstücke, die nicht nur zeigen, welche Schnitte, Muster und Farben um 1800 modern waren, sondern auch viel über die Bedeutung und den Wert von Textilien in dieser Zeit aussagen. So lässt sich der sparsame Umgang mit Stoff an fast jedem Stück ablesen.

Drei Badehauben mit aufgesetzten Blumen-ähnlichen Mustern

Herstellung und Verwendung

Schon diese wenigen Beispiele zeigen, nach welchen Kriterien die Textilsammlung zusammengetragen wurde. Es geht nicht um eine vollständige Mode- und Kostümgeschichte, sondern darum, wie man Kleidung herstellte und welche Materialien verwendet wurden.


Eine ebenso wichtige Rolle spielt die Frage, wie sich das Kleidungs- und Konsumverhalten der letzten 250 Jahren unter den Bedingungen der Massenproduktion, der zunehmenden Mobilisierung der Gesellschaft und veränderter Geschlechterverhältnisse verändert hat. Und schließlich: Wie definieren sich gesellschaftliche Gruppierungen über ihre Kleidung?

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