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Blick in die Textilsammlung im Museumsdepot mit zahlreichen Kleidungsstücken in Regalen

Tüten-Musterbuch

1890 bis 1910

Musterbuch mit eingeklebten Tüten Bild vergrößern

Musterbuch der Papierwarenfabrik Bodenheim & Co., 1890 - 1910, Pa-pier, Pappe, Leinen, 40 x 27 cm, Inv. Nr.: bg 93/226

Mit der Ablösung der traditionellen Warenlogistik stieg im Verlauf des 19. Jahrhunderts der Bedarf an Verpackungen. Sie ermöglichten den Transport, die Lagerung und schützten die Produkte vor Qualitätsverlusten. Verpackungen dienten der Werbung und informierten über Inhalt, Preis, Menge oder Gewicht. Auch für Gebrauchsanleitung und Rezepte boten sie Platz. Verpackungen in Form von Papiertüten sind schon seit der Antike bekannt, doch erst Mitte des 19. Jahrhunderts begann ihre fabrikmäßige Herstellung.


Das Musterbuch der Firma Bodenheim enthält 229 eingeklebte Tüten für den Apotheken- und Drogeriebedarf. Neben Verpackungen für Insektenpulver, Hustenbonbons, Scheuerpulver, Salicylsäure, Chemikalien und Farben finden sich Tüten für Hygieneartikel wie Zahnpulver und Zahnbürsten, aber auch für Lebensmittel wie Pudding- und Backpulver, Vanillezucker, Kuchengewürz, Kaffee und Kakao.


Der Buchbindermeister und Papierhändler Georg Bodenheim hatte 1853 in Allendorf an der Werra mit acht Arbeiterinnen und einem Werkmeister die vielleicht erste Tütenfabrik in Deutschland gegründet. Sie nannte sich später Papierwarenfabrik “Bodenheim & Co”. Als Rohstoff wurden anfangs noch ausgesonderte Kanzleipapiere, also abgelaufene Akten, benutzt, deren überstehende Ränder direkt zu kleinformatigen Spitztüten geschnitten und geklebt wurden.


Vor allem Einzelhändler konnten nun für ihre Gewürze, Haushaltshilfsmittel, Drogeriewaren und Sämereien auf Bodenheims Tüten zurückgreifen. Diese waren zuvor in Eigenanfertigung, von Buchbindern oder in Waisenhäusern und Gefängnissen hergestellt worden. Einige Jahre später produzierte Bodenheim schon millionenfach Tüten, Beutel, Kapseln usw. vor allem für Sämereien. Die Firma versah sie auch schon mit farbigen Aufdrucken, Firmenstempeln und Gebrauchsanweisungen. Neben Gärtnereien gehörten Apotheken zu den wichtigsten Kunden. Sie hatten vielfältige Sonderwünsche. Um diese erfüllen zu können, wurden 1870 zusätzlich eine Kartonage Fabrik und eine lithographische Anstalt eingerichtet. Bereits fünf Jahre später stellte die Fabrik in Allendorf monatlich bis zu 100.000 Stück diverse Kartonagen her. Die Firma Bodenheim ist ein typisches Beispiel für die Entwicklung der industriellen Papierverarbeitung.

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