Logo LVR - Qualität für Menschen
Blick in die Textilsammlung im Museumsdepot mit zahlreichen Kleidungsstücken in Regalen

Reklamemarke "Sanella"

1900-1918

Reklamemarke Bild vergrößern

Reklamemarke „Sanella“ Mandelmilch-Pflanzenbutter-Margarine, Sana GmbH, Kleve, 1900-1918, Papier, 5,7 x 3,5 cm, Inv. Nr.: rz 01/2012

Ob Margarine zum Kochen oder Braten, als Pflanzen-, Halbfett- oder No-fat-Margarine in flüssiger oder fester Form - die Sortenvielfalt im Kühlregal ist groß. Doch hatte es die „Kunstbutter“ lange Zeit schwer, sich gegen „echte“ Butter zu behaupten. Denn Margarine war nicht nur eine Frage des Geschmacks, sondern auch ein Symbol des gesellschaftlichen Standes. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts verwendete die einfache Bevölkerung überwiegend Rindertalg und Speck zum Kochen und Schweineschmalz als Brotaufstrich.


Mitte des 19. Jahrhunderts wurde aufgrund des Bevölkerungswachstums, des mangelnden Angebots an Fetten und der Preissteigerungen in Frankreich nach einem billigeren Ersatz für Butter gesucht. Niederländische Unternehmer brachten wenig später das Streichfett aus tierischen und pflanzlichen Fetten zur industriellen Reife. Anton Jurgens und Simon van den Bergh gründeten in den 1880er-Jahren im niederrheinischen Kleve Margarinefabriken, um die niederländischen Schutzzölle für Butter und Margarine zu umgehen. Kleve war wegen seiner Nähe zum Rotterdamer Hafen ein optimaler Standort. Zum einen konnten Rohstoffe wie Rinderfett aus den USA und Argentinien sowie nach 1900 Baumwollsamen, Mandeln, Palmkern- und Kokosfett aus Kolonien, wie Kamerun, Togo oder Ägypten bezogen werden. Zum anderen waren die Absatzmärkte nicht weit. Da Margarine billiger als Butter war, wurde sie insbesondere von den Arbeitern im Ruhrgebiet und in den rheinländischen Industriegebieten gekauft. Amtlichen Schätzungen zufolge soll der Margarineverbrauch in den 1880er-Jahren in der Stadt Dortmund das Dreifache des Butterverbrauchs betragen haben. Trotzdem waren die Streichfette für viele immer noch zu teuer. Wie die Sanella-Reklamemarken belegen, kostete die Mandelmilch-Pflanzenbutter-Margarine um 1910 90 Pfennig. Ein Hauer verdiente, z.B. in Dortmund, aber nur 6,10 Mark am Tag. Neben Geringverdienenden gehörten zu den Zielgruppen der Margarinehersteller Anhänger der naturnahen Lebensweise, Vegetarier und Juden.

Um Margarine als neues Produkt bekannt zu machen, wurde sie intensiv beworben und als Marke etabliert. Ein frühes Beispiel ist „Sanella“ der Sana-Ges. m.b.H., die Simon van den Bergh 1905 markenrechtlich schützten ließ. Sie gehörte zu den ersten rein pflanzlich hergestellten Margarinen.


Die Reklamemarken zeigen typische Motive der Werbung von Kolonialwaren nach 1900. Als Bildmotiv dienten Mohr und Palme, die eine Assoziation zu den Rohstofflieferanten herstellten. In der Schweiz wurde Margarine sogar als „Negerfett“ bezeichnet. Die Werbung bezog sich aber auch auf die Butter, die als Konkurrenzprodukt gesehen wurde.


Mit dem Ersten Weltkrieg wurde der Fettverbrauch der Bevölkerung stark eingeschränkt. Die Lieferungen von Ölsaaten zur Margarineherstellung aus dem Ausland kamen schon 1915 zum Erliegen. Der freie Handel mit Ölen und Fetten wurde eingestellt, um den Fettbedarf des Heeres zu sichern. Darüber hinaus benötigte die Kriegswirtschaft Fette, um Glycerin für Sprengstoffe herzustellen. Erst Mitte der 1920er-Jahre stieg der Pro-Kopf-Verbrauch der Margarine wieder an. Die Marktführer der Margarinenproduzenten blieben die großen Konzerne von Jurgens und Van den Bergh aus Kleve.

ANSCHRIFT

LVR-Industriemuseum
Zentrale
Hansastraße 18
46049 Oberhausen


Suche


KONTAKT

Bitte richten Sie Fragen zum Bereich Sammlung an

LVR-Industriemuseum
Abteilung Sammlungsdienste


Sie finden uns auch hier: