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Blick in die Textilsammlung im Museumsdepot mit zahlreichen Kleidungsstücken in Regalen

Anzeige „Moderne Bäder“

Um 1910

Schwarzweiß-Zeichnung eines Bads, darunter die Werbeaufschrift Bild vergrößern

Anzeige „Moderne Bäder“, Otto Wehle, Düsseldorf, um 1910, Papier, Inv. Nr.: rz 96/776

In der Kaiserzeit war das moderne Badezimmer ein Luxusgut. Nur bürgerliche Haushalte ließen sich damit ausstatten. Für ärmere Schichten reichte es gerade für die Toilette auf dem Flur. Doch prägten Hygiene und Pflege zunehmend den Alltag und führten in Folge zu einem allgemeinen Gesundheitsbewusstsein.


Wachsender Wohlstand, verbesserte Infrastruktur zur Wasser-, Gas- und Stromversorgung sowie ein verstärktes Hygienebewusstsein waren die Voraussetzungen für den Einbau von Bädern und Toiletten in mehrstöckigen Stadthäusern. Wie die Anzeige des Geschäftsmannes Otto Wehle verrät, konnten diese Räumlichkeiten – zumindest in den Visionen von Händlern und Werbemachern - eine durchaus stattliche Größe annehmen. Die Ausstattung des Bades in der Anzeige ist opulent. Sie zeigt eine Porzellanbadewanne, ein großes Waschbecken, ein Bidet sowie mehrere Konsolen mit Spiegeln und Beleuchtung. In einem separaten Raum ist die Toilette untergebracht. Der Badeofen befindet sich nicht im Raum. Die Warmwasserheizung war außerhalb des Badezimmers installiert und wurde vermutlich mit Gas betrieben.


Otto Wehle hatte sich als Unternehmer durch die Patentierung eines Gas-Kohle-Herdes einen Namen gemacht. Er führte bis 1891 in Düsseldorf die „Rheinische Gas-Koch-Herd-Fabrik Otto Wehle“, bis er die Firma aufgab und das „Haus- und Kücheneinrichtungsgeschäft Otto Wehle“ in der Königsallee 33 eröffnete. Dort verkaufte er „gesundheitstechnische Anlagen“, unter anderem aus hochwertigem Porzellan mit bleifreier Glasur. Zu seinen Kunden zählten Bürger, die mindestens drei Zimmer bewohnten, denn in dieser Zeit wurden Badezimmer selten in kleinere Wohnungen eingebaut. Nicht nur die Ausstattung, auch die Installationskosten waren von den Mietern zu zahlen. Und so blieben Bäder für kaufmännische Angestellte und Arbeiter unerschwinglich.


Obwohl Installationsgeschäfte relativ viel Werbung betrieben, blieb der prozentuale Anteil der Badezimmer in den Großstädten um 1910 bescheiden. In Berlin hatten gerade einmal knapp 14 % der Bewohner ein Badezimmer, in Hamburg waren es 21 %. Statistiken zufolge standen weitaus mehr Mietern wohnungseigene Wasserklosetts zur Verfügung. In Berlin wuchs die Anzahl um 1910 auf etwa 52 %. Die Arbeiterschaft teilte sich generell eine Außentoilette im Flur oder Hinterhof mit mehreren Mietparteien und trug damit ein erhöhtes Gesundheitsrisiko. Für die tägliche Hygiene standen Waschschüssel und Wasserkanne zur Verfügung, gebadet wurde in kleinen Zinkwannen oder in öffentlichen Badeanstalten. Von einem Badezimmer aus Otto Wehles Geschäft konnte der Großteil der Bevölkerung vor dem ersten Weltkrieg nur träumen.


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