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Blick in die Textilsammlung im Museumsdepot mit zahlreichen Kleidungsstücken in Regalen

Propagandabroschüre gegen Demontage

von 1949

Schwarz-weiße Titelseite der Propagandabroschüre Bild vergrößern

„Dismantling against Humanity“: Propagandabroschüre gegen die Demontage nach dem Zweiten Weltkrieg, hg. von Wesel-Edition, Baden-Baden-Oos, 1949, Papier, Archiv St. Antony-Hütte 2.2.1.1.1/4

„Die Maschinen sind weg – Womit sollen wir jetzt arbeiten?“ fragt der Arbeiter auf dem Titelblatt der Broschüre „Dismantling against humanity“ (Demontieren gegen die Menschlichkeit). Die US-Vertretung der Firma MAN – damals Tochterunternehmen des Oberhausener Konzerns „Gutehoffnungshütte“ – schickte das Heft im September 1949 nach Oberhausen, als der Kampf gegen die Demontage von Industrieanlagen im Ruhrgebiet seinen Höhepunkt erreichte.


Die alliierten Kriegsgegner des Deutschen Reiches sahen eine der Ursachen für den Zweiten Weltkrieg im Einfluss der deutschen Industrie auf die Politik. Daher planten sie, die Machtpositionen führender Unternehmen nach 1945 zu zerschlagen. Konzerne sollten entflochten, die deutsche Wirtschaft in internationale Organisationen eingebunden und vor allem industrielle Anlagen demontiert werden. Zugleich beabsichtigten die Alliierten, die demontierten Werke und Maschinen als Kompensation von Kriegsschäden in anderen kriegszerstörten Ländern wieder aufzubauen. Eine erste Liste sah im März 1946 die Demontage von 1.800 Industrieanlagen vor.


Angesichts der vielen Zerstörungen und der wirtschaftlichen Notlage, in der sich viele Menschen befanden, setzten mit der Veröffentlichung der ersten Demontageliste heftige Proteste ein. Sie verschärften sich, als die Unsicherheit über die Zukunft von Unternehmen jahrelang andauerte und eine klare Linie in der Demontagepolitik nicht erkennbar war. Ende der 1940er Jahre, als der Marshall-Plan Hilfen zum Neuaufbau von Industrieanlagen gewährte, schien die Demontage in Deutschland völlig absurd.


Auf dem Höhepunkt der Proteste erschien im Sommer 1949 diese Broschüre. Sie trug die deutsche Anti-Demontage-Propaganda ins Ausland, vor allem in die USA, wo man sich zurecht Verbündete erhoffte. Das Heft verdeutlichte aus deutscher Sicht die Absurdität der Demontage an zahlreichen Beispielen vor allem aus dem Ruhrgebiet und der Schwerindustrie.


Die Proteste hatten Erfolg. Die Zahl der zu demontierenden Anlagen wurde auf 680 im November 1949 beschränkt und Ende 1950 stellten die Alliierten die Demontagen in der Bundesrepublik endgültig ein. In Nordrhein-Westfalen waren 140 Betriebe vollständig und 78 teilweise abgebaut worden.

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