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Blick in die Textilsammlung im Museumsdepot mit zahlreichen Kleidungsstücken in Regalen

Glasnegativ „Frauenarbeit bei der Gutehoffnungshütte“

Fotografie nach 1914

Aufnahme der Frauenarbeit während des Krieges in der Abteilung Sterkrade, Werk II Bild vergrößern

„Abt. Sterkrade, Werk II. Anstreicherei für Granaten und Staatsabnahme“, Kriegsaufnahme von Frauenarbeit, Glasnegativ, Gutehoffnungshütte, Oberhausen, zwischen 1914 und 1918, Glas, 18 x 24 cm, Inv. Nr.: ah g/15257

„Der Krieg hat gelehrt, dass Arbeiterinnen auch zu Arbeiten herangezogen werden können, die man bis dahin nur Männern übertragen zu können glaubte...“, so ein Beamter der Potsdamer Gewerbeaufsicht 1919. Während des Ersten Weltkriegs arbeiteten zahlreiche Frauen in der Eisen- und Stahlindustrie. Überall dort, wo die normierte Massenfabrikation von Kriegswaren begonnen hatte, konnten Frauen (wie generell Un¬gelernte) gut eingesetzt werden.


Bereits Ende 1914 waren 40 Prozent der Wehrpflichtigen eingezogen, Arbeitskräftemangel war für die meisten Unternehmen ein großes Problem. So wurden – zunächst nur zögerlich – zunehmend auch Frauen in der Eisen- und Stahlindustrie beschäftigt. In den letzten Kriegsjahren machten Frauen bei der Herstellung von Granaten, in der Zünder- und Geschossfertigung in manchen Werken bis zu drei Viertel der Belegschaft aus.


Im Verlauf des Krieges stieg nicht nur die Zahl der Arbeiterinnen, sondern auch deren individuelle physische und psychische Belastung. Unfälle aufgrund von Überarbeitung waren an der Tagesordnung, Nachtarbeit und Wechselschichten nahmen zu. Auf die Zuschläge für Überstunden und Nachtarbeit waren die Frauen jedoch oft angewiesen, denn ihre Löhne lagen bei 50, maximal bei 60 Prozent der Männerlöhne: „gleicher Lohn und gleiches Fressen, so wär der Krieg schon längst vergessen".


Trotz der harten Arbeitsbedingungen und der schlechten Entlohnung waren viele Frauen aus wirtschaftlichen Gründen zur Industriearbeit gezwungen: Die staatliche Unterstützung war bescheiden und die Versorgungslage katastrophal. Der Tiefpunkt war im „Steckrübenwinter" 1916/17 erreicht, als man auf Viehfutterbestände zur Versorgung der Bevölkerung zurückgreifen musste.


Mit dem Waffenstillstand im November 1918 endete für die Frauen der Einsatz in der Rüstungsindustrie: Hand in Hand mit den Gewerkschaften sorgten die Unternehmen dafür, dass die Frauen die Arbeitsplätze in der Produktion räumten und die „kriegsheimkehrenden" Männer ihre Stellen einnehmen konnten.

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