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Blick in die Textilsammlung im Museumsdepot mit zahlreichen Kleidungsstücken in Regalen

Zwei-Ständer Dampfschmiedehammer

um 1900

Neun Meter hoher Zwei-Ständer Dampfschmiedehammer im Ausstellungsraum Bild vergrößern

Zwei-Ständer Dampfschmiedehammer der Bauart Nasmyth, J. Banning AG, Hamm, um 1900, Metall, 900 x 320 x 780 cm, 53,4 t, Inv. Nr.: ob 89/14

Der Schotte James Nasmyth konstruierte 1839 einen leistungsstarken dampfbetriebenen Zwei-Ständer-Hammer, der die bisherigen, mit Wasserkraft betriebenen Stielhämmer verdrängte. Der nach dem Nasmyth-Prinzip gebaute Zwei-Ständer Dampfschmiedehammer im Museum der Schwerindustrie im LVR-Industriemuseum Oberhausen war seit den 1920er Jahren bei den Vereinigten Schmiedewerken in Bochum, heute Bochumer Verein Verkehrstechnik GmbH, in Betrieb.


Neun Meter hoch, knapp 54 Tonnen schwer und sechs Tonnen Schlagkraft: Der Zwei-Ständer Dampf-Schmiedehammer wirkt nicht gerade wie ein Präzisions-Werkzeug. Doch bedient von einer erfahrenen Schmiedemannschaft ließen sich an einem solchen Hammer millimetergenau Räder, Achsen oder Kurbelwellen herstellen


Am Hammer wurde in der Regel im Freiformverfahren geschmiedet. Der „erste Schmied" dirigierte bis zu 12 Arbeiter per Handzeichen, da die ungeheure Lautstärke verbale Kommunikation unmöglich machte. Ein Großteil dieser Männer war damit beschäftigt, das vorgeglühte, oft an Kranketten angehängte Werkstück mit Hilfe von Hebelstangen auf dem Amboss in die richtige Position zu bringen.


„Die Arbeit der Schmiede ist anstrengend und stellt an den Kräftevorrat erhebliche Anforderungen, so dass sich schon von vorneherein meist nur kräftig gebaute Personen diesem Handwerk zuwenden", wurde 1898 im Handbuch der Gewerbekrankheiten festgestellt. „Kräftig gebaute Personen" waren an einem solchen Arbeitplatz sicherlich nicht von Nachteil. Trotzdem kam es innerhalb der Mannschaft auf zwei andere Dinge an: auf Erfahrung und auf Kooperation. Erfahrene Schmiede erkannten die richtige Schmiedetemperatur eines Werkstücks mit bloßem Auge, erfahrene Hammerführer spielten dank der Ventilsteuerung mit der enormen Schlagkraft des Hammerbären wie auf einer Klaviatur. Kooperation und Zusammenarbeit garantierten nicht nur ein gutes Arbeitsergebnis, sondern auch die eigene Sicherheit im Umgang mit glühenden, zentnerschweren Werkstücken.

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