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Blick in die Textilsammlung im Museumsdepot mit zahlreichen Kleidungsstücken in Regalen

Scherengesenke

um 1950

Ein Ober- und Untergesenk für die Herstellung von Stickscheren Bild vergrößern

Gesenkwerkzeug für eine Schere, Gesenkschmiede Hendrichs, Solingen, 1958, Stahl, 10 x 10 x 25 cm (oben), 10 x 10 x 29 cm (unten), Inv. Nr.: sg h/1514

Die Einführung der Gesenkschmiedetechnik in den 1870er Jahren stellte die gesamte Schneidwarenfertigung auf eine neue Basis. Gesenke sind geteilte Stahlkörper, in die Hohlräume eingearbeitet sind, die der Form der zu schmiedenden Scheren entsprechen. Die Werkstücke werden beim Schmieden in einer allseitig geschlossenen Hohlkammer, die zwischen Ober- und Untergesenk entsteht, warm geformt.


Noch Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Solinger Schneidwaren ausschließlich von Hand geschmiedet. Das Scherenschmieden zählte zu den anspruchsvollen Handwerkskünsten. Der Handschmied formte zunächst das Scherenauge, anschließend den Halm und das Gewerbe (die Verbindung zwischen Auge und Scherenblatt), um schließlich das Blatt (die ‚Schneide') jeweils in eigener Hitze möglichst genau auszuformen. Im Vergleich zu einer Messerklinge war das Herausarbeiten der komplizierter geformten Scheren sehr viel schwieriger. Schon früh wurden deshalb Formwerkzeuge eingesetzt: An Holzstielen aufgesteckte Stempel, Dorne, Döpper oder auch so genannte Säume, die auf dem Amboss befestigt waren.


Mit der Einführung des Gesenkschmiedeverfahrens bildete sich die Arbeitsteilung von Werkzeugmacherei, Spalterei, Schmiede und Schneiderei heraus. Mit Hilfe der so genannten Leisten – eine Art Urform der Schere (Patrize) – entstanden in den Werkzeugmachereien der Gesenkschmieden die Gesenke für die verschiedenen Kleineisenwaren. Mit einem gehärteten Gesenkwerkzeug konnten etwa 15.000 Scheren geschmiedet – in Solingen sagt man auch: geschlagen – werden. Im Werkzeuglager der Gesenkschmiede Hendrichs – heute Schauplatz Solingen des LVR-Industriemuseums – lagern mehrere Tausend Gesenke bzw. Leisten.


Die Gesenkschmiedetechnik ermöglichte nicht nur eine größere Maßgenauigkeit, sondern steigerte auch die Produktivität erheblich: Hatten einst zwei Handschmiede drei Schleifer mit Rohware versorgen können, so produzierten um 1900 zwei Schlägereiarbeiter Rohware für zehn Schleifer. Mit den Gesenkschmieden wurde auf dem Sektor der Rohwarenerzeugung in der Solinger Schneidwarenindustrie die Massenproduktion eingeführt.

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