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Blick in die Textilsammlung im Museumsdepot mit zahlreichen Kleidungsstücken in Regalen

Stahlfilterkugel zur Entzinnung von Weißblech

1952

Entzinnungskugel aus Stahl mit einem Durchmesser von vier Metern Bild vergrößern

Entzinnungskugel, Th.Goldschmidt AG, Essen, 1952, Stahl, Durchmesser 400 cm, Gewicht 3,3 t, Inv. Nr.: ob 90/448

Kugelrund, mit einem Durchmesser von vier Metern, mit an ein Sieb erinnernden Löchern und abnehmbarem Deckel beeindruckt die Stahlfilterkugel schon durch ihre äußere Erscheinung. Als unentbehrliches Instrument zur Gewinnung von Zinn aus Weißblechabfällen gibt sie zugleich Zeugnis von einem der ältesten Recyclingverfahren.


Von 1952 bis 1990 diente sie der Firma Th. Goldschmidt in Essen als Tauchbehältnis in einer alkalisch-elektrolytischen Entzinnunganlage für Weißblech. Gefüllt mit zehn bis zwölf Tonnen Weißblechabfällen rotierte sie in Becken mit Natronlauge und Nitrit als Oxidationsmittel, wodurch sich das Zinn vom Blech löste. Nach mehreren chemischen bzw. physikalischen Zwischenschritten konnte das Zinn zu Reinzinn vergossen und das Blech zu Schrottpaketen gepresst werden.


Angefangen hatte alles in Berlin, wo die „Chemische Fabrik Th. Goldschmidt" seit 1849 Zinnpräparate und -salze herstellte, die in der Kattundruckerei und Färberei (Preußisch bzw. Berliner Blau) benötigt wurden. Seit den 1880er Jahren setzte man sie auch zur Beschwerung von Seidenstoffen ein. Steigende Zinnpreise führten zu der Idee, bei der Weißblechherstellung anfallende Stanzreste zu verwerten. Daraufhin wurde 1887/88 ein spezielles nasschemisches Verfahren entwickelt, bei dem die vor allem aus der angloamerikanischen Konservenindustrie stammenden Schneidabfälle in ihre Bestandteile Zinn und Stahlblech zerlegt werden konnten.


Bessere Absatzmöglichkeiten im rheinisch-westfälischen Industriegebiet veranlassten die Firma, die Produktion 1889/90 nach Essen zu verlegen. Das Blech konnte den regionalen Stahlwerken und die Zinnchemikalien den Seidenfabriken im nahen Krefelder und im Wuppertaler Raum verkauft werden. 1912 führte die Firma ein alkalisches Entzinnungsverfahren mit Natronlauge ein.


Die nach dem Zweiten Weltkrieg neu errichtete Entzinnungsanlage galt um 1960 als die modernste der Welt. Doch der starke Preisverfall für Zinn und Eisenschrott sowie die immer dünner werdende Zinnschicht auf den Blechen ließen Anlage und Verfahren allmählich unrentabel werden. 1990 wurde die Anlage stillgelegt.

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