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Blick in die Textilsammlung im Museumsdepot mit zahlreichen Kleidungsstücken in Regalen

Radio- und Phonogerät „Braun SK 61“

1961

Radio-Phono-Kombination mit klaren Gestaltungsformen im Stil des Bauhauses Bild vergrößern

Radio-Phono-Kombination „Braun SK 61“, Max Braun AG, Frankfurt a. M., 1961, Entwurf: Hans Gugelot, Metall, Kunststoff, Glas, Pappe, 25 x 58,5 x 29 cm, Inv.Nr.: ob 93/789

„Schneewittchensarg“ im Bauhausstil: als bewusst schlichtes Gegenstück zur opulenten Einrichtung der Wirtschaftswunderjahre konzipierte der Designer Hans Gugelot 1956 das Radio- und Phonogerät „Braun SK 4“ als zweckmäßiges Gebrauchsobjekt. Durchsetzen konnte sich das Gerät bei der breiten Masse zwar nicht – aber es entwickelte sich dank seiner avantgardistischen Formgebung zum raren Kultobjekt.


Als „Schneewittchensarg" ging der Braun SK 4 und seine späteren Versionen wie der hier vorgestellte SK 61 in die Geschichte des Designs ein. 1956 erstmals hergestellt, sicherte dieses Modell der Firma Max Braun AG im deutschen Nachkriegsdesign einen sensationellen Durchbruch, der sich als richtungsweisend für die gesamte Branche erweisen sollte.


Bestechend in seiner klaren Form, die sich deutlich zur Bauhaustradition bekennt, wirkt der Braun SK 4 und seine Nachfolger wie ein Asket neben den üppig-organischen Formen, den Nierentischen und Tütchenlampen jener Jahre. Auch zu den hochglanzpolierten Edelholz-Musiktruhen mit golddurchwirkten Lautsprecherabdeckungen steht er in bewusstem Gegensatz. Er ist kein Wohnmöbel, sondern ein funktionales Gebrauchsobjekt. Mit dem „Schneewittchensarg" entwickelte Hans Gugelot, seit 1954 Dozent an der Ulmer Hochschule für Gestaltung, etwas völlig Neues. Das horizontal betonte Rechteck zugrundelegend, arbeitete er geometrisch. Zusammen mit Braun-Mitarbeiter Dieter Rams schuf Gugelot eine horizontale Bedienungsebene für Radio und Plattenspieler. Die Bedienungselemente ordnete er in ein zugrundegelegtes Raster, wobei der Tonarm, die übereinander platzierten Drehregler und die von Otl Aicher stammende Senderskala sowie die seitlichen Einlassfugen für den Plattenspieler ein spannendes vertikales Gegengewicht bilden. Sie bleiben als Gestaltungselemente durch die Plexiglasabdeckung auch bei geschlossenem Deckel sichtbar.


Gugelot glaubte, mit der betont funktionalen Gestaltung das Gerät nicht nur aus der „Prunkmöbelecke" herausgeholt, sondern auch die Grundlage für ein preiswertes Standardmodell für weniger Verdienende geschaffen zu haben. Doch der SK 61 und seine Vorgängermodelle sprachen nur gutverdienende Kenner und Ästheten an.

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