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Blick in die Textilsammlung im Museumsdepot mit zahlreichen Kleidungsstücken in Regalen

Schrägwalzwerk

1890/1893

Blick auf das Schrägwalzwerk in einer alten Industriehalle. Bild vergrößern

Schrägwalzwerk, Max und Reinhard Mannesmann, Remscheid, 1890/1893, Metall, 160 x 155 x 535 cm und 150 x 100 x 525 cm, Inv. Nr.: ob 96/9010

Das mit dem sogenannten Mannesmann-Verfahren nahtlos hergestellte Stahlrohr begann seinen weltweiten Siegeszug in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Nahtlose Rohre waren den damals weit verbreiteten Guss- und Schweißrohren sicherheitstechnisch deutlich überlegen und eröffneten vielen Bereichen in Industrie und Technik neue Möglichkeiten.


Mehr Sicherheit als die bislang üblichen längsnahtgeschweißten schmiedeeisernen Rohre versprach ein neues Verfahren, nach dem ein massiver Stahlblock allein durch Walzen hohl gemacht werden konnte. Die geistigen Väter dieser umwälzenden Erfindung waren die Brüder Reinhard und Max Mannesmann. Anfang der 1880er Jahre beobachteten sie in der väterlichen Feilenfabrik in Remscheid, dass die Feilenrohlinge – polierte Rundstäbe – nach der Bearbeitung auf schräg stehenden Glättwalzen in ihrem Zentrum Risse und Hohlräume aufwiesen. Sie führten die Hohlraumbildung auf das Schrägwalzen zurück und versuchten das, was bislang zu Produktionsfehlern geführt hatte, für die Herstellung von nahtlosen Stahlrohren zu nutzen. Nach vielen Testversuchen meldeten sie 1885 das Schrägwalzverfahren zur Herstellung nahtloser Stahlrohre zum Patent an. Tatsächlich gelang es allerdings erst anderthalb Jahre später, einen nahtlosen Hohlkörper aus einem massiven Stahlblock zu walzen.


Die ersten nahtlosen Rohre waren kurz, ihre Wände dick und uneben. Um möglichst glatte Innen- und Außenflächen zu erreichen und längere Rohre mit unterschiedlichem Durchmesser herstellen zu können, entwickelten die Brüder das Pilgerschrittverfahren. Die auf dem Schrägwalzwerk hergestellten Hohlkörper wurden über einen langen Dorn schrittweise durch besonders geformte Rundwalzen ausgewalzt. 1891 wurde Max Mannesmann das Patent für das „Verfahren und Walzwerk zum Formen und Kalibrieren von stabförmigen Körpern und Platten mit pilgerschrittförmiger Bewegung des Walzstückes" erteilt. Der Name „Pilgerschritt" wurde gewählt, weil der Walzvorgang an die „Echternacher Springprozession" – zwei Schritte vor, einen Schritt zurück – erinnert. Schrägwalzen und Pilgerwalzen bilden gemeinsam das „Mannesmann-Verfahren", nach dem bis heute nahtlose Stahlrohre hergestellt werden.

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