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Blick in die Textilsammlung im Museumsdepot mit zahlreichen Kleidungsstücken in Regalen

Lederschürze

Zweigeteilte Abbildung: Rechts - Lederschürze aus einer umgearbeiteten Aktentasche. Links -  Schürze auf einer Figurine darpiert. Bild vergrößern

Lederschürze, Arbeitsschutz in der Stanz-, Gravier und Prägeanstalt Jacobs, Solingen O & F Jacobs, Solingen, Leder, Metall, 66 x 38 cm, ca. 500 gr., Inv. Nr.: sg 88/284

Die Lederschürze war ursprünglich eine Aktentasche, wie sie gerne von Arbeitern benutzt wurde, um damit Henkelmann, Butterbrote und Thermoskanne oder die Zeitung zur Arbeit zu transportieren. Als Aktentasche für die Straße genügte dieses Exemplar irgendwann offenbar nicht mehr den Ansprüchen des Besitzers, aber das Leder war im Großen und Ganzen noch gut. Da brauchte es nicht viel mehr als ein Band zum Umhängen, um aus der alten Tasche eine geeignete Schutzkleidung für die Arbeit an einer Besteckwalze zu machen.


Das Umarbeiten der alten Aktentasche zu einer Schürze erfolgte sehr pragmatisch. Die Nähte wurden aufgetrennt, die Seitenwände herausgenommen und ein Lederband zum Umhängen der neuen Schürze um den Hals wurde angenietet. Bei letzterem fand vermutlich der ehemalige Schulterriemen der Tasche eine neue Verwendung. Zum Annieten nutzte man Edelstahlplatten aus der Besteckfertigung, also Werkzeug und Material, das in der Fabrik für Metallbearbeitung sowieso vorhanden war. Das Schloss im unteren Teil der Schürze verweist auf die ursprüngliche Funktion als Aktentasche. Jetzt dient es als rein dekoratives Element. Gleichzeitig zeugt es auch wieder von einem zweckdienlichen Umgang mit dem alten Leder, denn hätte man das Schloss herausgetrennt, wäre hier womöglich ein Loch entstanden.


Auf einfache Art und Weise hatte man das Geld für eine nicht ganz billige Lederschürze gespart, die bei der Arbeit an der Besteckwalze vor Verschmutzung, zum Beispiel, durch die Verarbeitung mit Öl oder Stichverletzungen durch spitze Gegenstände schützen sollte.


Offen bleibt die Frage, ob der Benutzer der Schürze auch gleichzeitig der Besitzer der Aktentasche war. Möglicherweise war die Aktentasche ein liebgewonnener Gebrauchsgegenstand, der ihren Besitzer auf dem täglichen Weg zur Arbeit begleitet hat, um ihn dann später als Schürze bei der Arbeit an der Besteckwalze zu schützen.

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