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Blick in die Textilsammlung im Museumsdepot mit zahlreichen Kleidungsstücken in Regalen

Halbautomatische Spinnmaschine "Mule-Jenny"

Mitte 19. Jh.

Spinnmaschine 'Mule-Jenny' Bild vergrößern

Spinnmaschine, halbautomatisch, C.F. Schwalbe, Werdau, um 1850, Holz, Metall, Textil, Pappe, Leder, 127 x 297 x 703 cm, Inv. Nr.: eu 91/5640

Während des Spinnprozesses wird aus lockeren Fasern ein festes Garn. Dabei werden die Fasern zunächst verdreht und verzogen und dann auf eine Spule aufgewickelt. Diese Arbeitsschritte erledigte früher die Spinnerin mit Hilfe eines Spinnrads. Sie ließen sich mit der hier vorgestellten Maschine sehr viel effektiver ausführen.


Die „Mule-Jenny" genannte Spinnmaschine, die 1779 von dem Engländer Samuel Crompton erfunden wurde, stand – was Technik und Funktionsweise betraf – zwischen dem manuellen Spinnen und der Arbeit der vollautomatischen Spinnmaschinen. Der vordere Teil der Maschine mit den Spindeln ist ausfahrbar. Während der Ausfahrt wird das Vorgarn, das oben in Rollen auf der Maschine liegt, verstreckt und durch die rotierenden Spindeln zugleich verdreht. Anschließend wird der Wagen wieder eingefahren und dabei das frische Garn auf den Spulen aufgewickelt.


Bereits um 1790 gelang es, die Wasserkraft für die Ausfahrt des Wagens und das Drehen der Spindeln zu nutzen. Doch sobald der Wagen ausgefahren war, endete die Mechanisierung: Das Einfahren des Wagens und das Aufwickeln des Garns musste noch mit reiner Körperkraft bewerkstelligt werden. Die „Schnittstelle" zwischen Mensch und Maschine ist sehr gut erkennbar: Durch Druck auf das Lederpolster mit dem Knie wurde die Maschine eingefahren. Gleichzeitig regulierte der Spinner mit dem Handrad das saubere Aufwickeln der Spule – eine Arbeit, die große Körperkraft und Ausdauer, zugleich aber auch Geschick und ein gutes Koordinationsvermögen erforderte. Das Vorwärtsbewegen der Maschine mit dem Knie führte übrigens zu einer spezifischen Spinner-Krankheit: dem „factory leg".


Die Teilautomatisierung erlaubte sogar den Bau wesentlich größerer Maschinen mit 300 bis 500 Spindeln und einer Breite von 14 Metern. So gesehen, handelt es sich bei unserem Exemplar mit immerhin 80 Spindeln und einer Breite von über sechs Metern um ein eher zierliches Modell.


Diese Mule-Jenny wurde wohl Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut und bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts in Südtirol zur Wollspinnerei eingesetzt. Ähnliche Maschinen waren in der Ratinger Baumwollspinnerei Cromford seit Beginn des 19. Jahrhunderts in Betrieb.

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