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Blick in die Textilsammlung im Museumsdepot mit zahlreichen Kleidungsstücken in Regalen

Damenmantel

um 1944

Schwarzer Damenmantel an einer Figurine Bild vergrößern

Schwarzer Damenmantel, ursprünglich Gehrock, um 1900, umgeändert um 1944, Wolle, Baumwolle, 114 x 102 cm, Inv. Nr.: rz 99/569

Auf den ersten Blick sieht man einen schwarzen Damenmantel, auf den zweiten Blick entpuppt er sich als ein zu einem Damenmantel umgeänderter Herrengehrock. Nein, keine Laune der Mode und auch kein Beispiel für Extravaganz, sondern Ausdruck von Not und Kleidermangel während des Zweiten Weltkriegs.


Mit einem Bezugssystem für die Anschaffung besonderer Kleidungsstücke, z.B. Mäntel, und der Reichskleiderkarten steuerte das nationalsozialistische Regime von Kriegsbeginn 1939 an die Rationierung von Bekleidung. Die Produktion von Rüstungsgütern hatte Vorrang vor der von alltäglichen Verbrauchsgütern, die Ausstattung der Wehrmacht mit Uniformen und Stiefeln galt als kriegsentscheidend und so musste der Konsum von Textilien hinten anstehen.


Die Nationalsozialisten hatten insbesondere die Frauen mit Propaganda, aber auch mit praktischen Anleitungen auf diese Situation vorbereitet: Neuanschaffungen sollten wohl überlegt und äußerst sparsam erfolgen, vorhandene Textilien umgeändert und weiter genutzt werden nach dem Motto: „Aus zwei mach eins“.


Für viele Frauen nichts Neues. Schon im Verlauf der 1920er Jahre war es üblich geworden, unmodisch gewordene Kleidungsstücke so umzuändern, dass sie wieder der aktuellen Mode entsprachen. Viele, vor allem die jungen Frauen brachen mit der Tradition, dass einmal angeschaffte Kleidung möglichst ein Leben lang halten sollte. Modisch gekleidet zu sein war wichtiger, und so machten sie sich mit Schere und Nähmaschine über die „alten Schätzchen“ her. Für ihre Großmütter wäre das noch völlig undenkbar gewesen! Das letzte Tabu wurde gebrochen, als Kleidung in den letzten Kriegsjahren immer knapper wurde. Nun machte die Schere auch nicht mehr vor der „besseren“ Herrenkleidung halt, die noch immer für „ein Leben“ angeschafft worden war: Frack, Smoking und Gehrock. Die Modezeitschriften lieferten entsprechende Vorlagen: „Kleidsam und nett ist dieses Kostüm, das aus einem Frack gearbeitet werden kann.“ Den Frack, den Gehrock zerschneiden? Aber – würde er ihn jemals wieder tragen können? Viele Frauen sahen sich vor diese bittere Frage gestellt. Und irgendwann zwang die Not zur Entscheidung und aus einem Gehrock wurde ein Damenmantel.


Weitere Informationen zum Projekt "Glanz und Grauen - Mode im Dritten Reich"

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