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Blick in die Textilsammlung im Museumsdepot mit zahlreichen Kleidungsstücken in Regalen

Weiße Bluse mit Lochstickerei und blauem Rock

Um 1910

Ensemble aus weißer langärmliger Bluse mit Lochstickerei, Knöpfen und Kragen und blauem knöchellangen Glockenrock Bild vergrößern

Weiße Bluse mit Lochstickerei und blauem Rock, um 1910, Baumwollbatist (Bluse) Wollköper (Rock), 43 x 65 cm (Bluse), 89 x 72 cm (Rock), Inv. Nr.: ra 09/202 (Bluse), eu 98/86.2 (Rock)

Ensemble aus Rock und Bluse waren seit etwa 1900 insbesondere unter berufstätigen Frauen beliebt.


Die hier gezeigte taillenlange Bluse aus Baumwollbatist ist am Kragen, an der aufgesetzten Tasche und an den Ärmelmanschetten mit Hohlsaumstickerei und darüber hinaus mit drei längs verlaufenden Falten auf jedem Vorderteil verziert. Druckknöpfe, durch die Knopfleiste verdeckt, schließen das Vorderteil als auch die doppelten Manschetten an den schmalen Ärmeln. Der lange Rock aus Wollköper setzt sich aus mehreren Bahnen zusammen, so dass er glockig fällt.


In den Debatten um eine „zweckmäßige“ Kleidung bei der Arbeit, die um 1900 insbesondere der „Verein zur Verbesserung der Frauenkleidung“ angestoßen hatte, wurde den Frauen die Kombination von Rock und Bluse empfohlen: Das Ensemble sei in der Anschaffung preiswerter als ein Kleid, darüber hinaus einfacher zu pflegen und bringe durch den Austausch der Blusen Abwechslung in die Garderobe. Aufgrund dieser Vorteile setzten sich Rock und Bluse bei vielen Berufstätigen durch, das galt für die Fabrikarbeiterin ebenso wie für die Kontoristin oder die Volksschullehrerin.


Aber viele Frauen, vor allem wenn sie aus „besseren“ Familien stammten, zeigten sich in der Öffentlichkeit nicht gerne in Rock und Bluse. Das Ensemble stigmatisierte sie als Berufstätige. Nicht unerheblich in einer von bürgerlichen Normen geprägten Gesellschaft, die die Bestimmung der Frau in Haus und Familie sah und weibliches „Geldverdienen“ als anstößig empfand. Da zählte auch nicht, dass laut der Berufszählung von 1907 45% der 15- bis 69-jährigen Mädchen und Frauen erwerbstätig waren. Die Frauen-Rundschau riet deswegen in einem Beitrag von 1910: „Der beste Arbeitsanzug besteht für Damen in Rock und Bluse, die auf der Straße durch ein Jackett bedeckt werden. Aber im Sommer möchte man das Kostüm gern durch ein vollständiges Kleid ersetzen, weil es nicht als schick gilt, Rock und Bluse auf der Straße zu tragen.“ Im Kaiserreich stand das Kleid immer noch auf Platz 1 der weiblichen Garderobe und nur im Gesellschafts- und Besuchskleid galt die Frau als „angezogen“.


Weitere Informationen zum Projekt „Die Macht der Mode. Zwischen Kaiserreich, Weltkrieg und Republik“

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