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Blick in die Textilsammlung im Museumsdepot mit zahlreichen Kleidungsstücken in Regalen

Pokal zum Gesangwettstreit

1903

Silberner Pokal mit verschiedenen Verzierungen Bild vergrößern

Pokal zum Gesangwettstreit, 1903, Silber, 40 x 14,6 Ø cm, Inv. Nr.: ah e/140

Im Kaiserreich hatten Männergesangvereine großen Zustrom. Die Mitgliedschaft in einem Verein war häufig Ausdruck einer nationalen und konservativen politischen Gesinnung.


Der Pokal des LVR-Industriemuseums stammt aus dem Nachlass der Gutehoffnungshütte Oberhausen und wurde von einem der Vorläufervereine des „Sängerbundes Gutehoffnungshütte Sterkrade“ gewonnen. Er ist aus Silber, die Gestaltung ist geprägt von Jugendstilelementen. Die Eichenblätter und Eicheln sind Sinnbilder für Siegerehrungen. Die Deutsche Eiche symbolisiert, aufgrund ihres harten Holzes und stattlichen Wuchses, Kraft, Stärke und Heldenmut – Werte, die im Kaiserreich mit Nationalismus einhergingen.


Wie die Inschrift zeigt, wurde der Pokal zu einem Gesangwettstreit am 2. und 3. August 1903 in Nassau von den aktuellen Mitgliedern des Männergesangvereins gewonnen. Gesangwettstreite waren weit verbreitet und wurden zum Teil von Kaiser Wilhelm II. (1859–1941) selbst initiiert. Er ließ jährlich kaiserliche Sängerwettkämpfe stattfinden. Kaiser Wilhelm II. instrumentalisierte und steuerte die Sängerbewegung, um seine Herrschaft zu zementieren sowie moralische Werte wie Vaterlandsliebe, Mannhaftigkeit und Deutschtum emotional zu verankern.


Ein Hinweis auf die politische Bedeutung der Gesangsvereine gibt auf dem Pokal das Profil von Otto von Bismarck (1815–1898), das durch eine Art Emblem hervorgehoben wird. Bismarck legte schon 1893 in einer politischen Rede vor Gesangvereinen den Wert des Singens für die nationale Einheit dar. Häufig als „Schmied“ des deutschen Reiches dargestellt, wurde er mit Lob- und Dankesliedern bei Feierlichkeiten geehrt. Bismarck-Lieder gehörten zum festen Repertoire von Männergesangvereinen.


Die eingravierte Schrift auf dem Pokal "Wir Deutsche fürchten Gott sonst nichts auf der Welt" ist ein abgewandeltes Zitat von 1888, das aus einer von Bismarck gehaltenen Rede im Reichstag stammt. Zeitgenossen waren so sehr beeindruckt, dass sie die Worte Bismarcks zum „Gewaltigsten, was je ein Parlament vernommen“ habe erhoben. Das Zitat fand immer wieder Eingang in deutsches Liedgut, selbst Jahre nach Bismarcks Tod. Die Kultur von Bismarck-Liedern wurde bis zu Beginn des Ersten Weltkrieges in den Männergesangvereinen gepflegt. Noch 1915 bildete "Wir Deutsche fürchten Gott und sonst nichts auf der Welt" den Refrain von Karl Zuschneids Lied „Bismarcks Geist“.


Weitere Informationen zum Projekt 1914 – Mitten in Europa

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