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Blick in die Textilsammlung im Museumsdepot mit zahlreichen Kleidungsstücken in Regalen

Kunstfaserkleid

1930er Jahre

Rotes Kleid mit Blendkragen und Faltenrock Bild vergrößern

Dunkelrotes Kleid, 1930er Jahre, Zellwolle, Metallfäden, 115 x 70 cm, Inv. Nr.: ra 00/415

Das gerade geschnittene Kleid mit Blendkragen und tiefangesetztem Faltenrock wurde in den 1930er Jahren von einer ausgebildeten Schneiderin für den Eigengebrauch genäht. Es gehörte zu dem „besseren“ Teil ihrer Garderobe, den sie nur zu bestimmten Anlässen trug. Der aus Zellwolle hergestellte Stoff glänzt und changiert im Licht.


Um von textilen Rohstoffimporten unabhängiger zu sein und Devisen zu sparen, verordnete das NS-Regime in den 1930er/40er Jahren Beimischungen von Zellwolle zu Wolle oder Baumwolle bei der Herstellung von Textilien. Mit gezielter Propaganda versuchten sie die Konsumentinnen für diese sogenannten „Ersatzstoffe“ zu gewinnen. Die Einführung der Reichskleiderkarte zu Beginn des Krieges 1939 gab ihnen ein Instrument an die Hand, mit dem sie nicht nur den Verbrauch von Kleidung rationieren, sondern auch den Kauf solcher Mischgewebe steuern konnten. Denn wer sich für den Kauf von Stoff oder Kleidung mit „synthetischen“ Beimischungen entschied, brauchte nicht so viele Punkte von seiner Kleiderkarte abgeben wie für reine Woll- oder Baumwollprodukte.

Auch in dem textilen Nachlass einer Frau, der nach ihrem Tod von Sohn und Schwiegersohn dem Museum übergeben wurde, fanden sich Kleidungsstücke und Stoffe aus „Deutschem Wald“. So nannte Erna. G. nämlich diese Materialien, da die verarbeitete Zellwolle aus „deutscher“ Fichte gewonnen wurde.


Die Qualität der Gewebe entsprach nicht ihren Ansprüchen. Die Stoffe waren nicht sehr strapazierfähig, litten durch zu häufiges Waschen und langes Tragen. Darüber hinaus fühlten sie sich teilweise sehr unangenehm auf der Haut an, vor allem mit immer schlechter werdender Qualität während der Kriegsjahre. Sie kratzten und „piksten“ auf der Haut. Erna. G. nutzte diese Stoffe vor allem für ihre „bessere“ Garderobe, da sie diese nicht täglich und über längere Zeit trug. Die gute Kleidung wurde geschont. Um das Material nicht direkt auf der Haut zu tragen, nähte E. G. wie bei diesem Kleid ein dünnes Futter aus Baumwollstoff ein. Da sie jeden Stoffrest aufhob, fand sich immer noch ein Stückchen Stoff, das so Verwendung fand. Die tägliche Kleidung für die Arbeit im Haushalt und im Garten nähte Erna. G. sich auch in den 1930er und 40er Jahren aus natürlichen Materialien.


Weitere Informationen zum Projekt "Glanz und Grauen"

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