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Blick in die Textilsammlung im Museumsdepot mit zahlreichen Kleidungsstücken in Regalen

Bestickte Bluse mit Druckknöpfen

um 1915

Das Bild zeigt eine Fotografie einer bestickten weißen Bluse aus Baumwolle und Leinen. Bild vergrößern

Bestickte Bluse mit Druckknöpfen, um 1915, Leinen, Baumwolle, Metall, 75 x 70 cm, Inv. Nr.: ra 04/65.1

Die Entwicklungen, die Kleidung und Mode unter dem Einfluss der veränderten Lebens- und Arbeitsbedingungen seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert mitmachten, spiegeln sich auch in kleinen Details, die oft wenig Beachtung finden. Dazu gehören Druckknöpfe an Jacken, Röcken oder Blusen.

Die mit hellblauem Garn bestickte Bluse aus weißem Leinen ist Teil eines dreiteiligen sommerlichen Ensembles, zu dem noch ein weiter Rock und eine leger geschnittene Jacke gehören. Beide sind ebenfalls mit einem hellblau aufgestickten Jugendstilmuster versehen. Aber es ist nicht das Jugendstilmuster, dem hier unser Interesse gilt, sondern die Druckknöpfe. Denn noch wenige Jahre zuvor hätte man bei der Anfertigung eines solch eleganten Ensembles noch eine andere Verschlusstechnik gewählt, wahrscheinlich Haken und Ösen.

Nachdem Hans Prym, in 12. Generation Kupfermeister und in Stolberg ansässiger Geschäftsführer der Firma William Prym, den bereits im späten 19. Jahrhundert erfundenen, aber noch mangelhaften Druckknopf 1903 zur Vollendung brachte, setzte sich dieser rasant in der Kleiderwelt durch. Druckknöpfe verdrängten Haken und Ösen, Knöpfe und Knopflöcher. Aber nicht nur sein eigener schwungvoller Aufstieg, sondern er selbst steht für die Beschleunigung, die die industrialisierte Gesellschaft des Kaiserreichs prägte und in Atem hielt. Alles musste etwas schneller gehen – auch das An- und Ausziehen.

Der Druckknopf machte es möglich und erfüllte die immer wieder aufgestellte Forderung nach einer funktionaleren Bekleidung, bzw. Bekleidungstechnik. Sie setzte sich nicht allein bei der zur Arbeit getragenen Kleidung durch, sondern auch bei der eleganteren, zum Beispiel bei der hier gezeigten Bluse. Und der Druckknopf hatte noch einen weiteren Vorteil: er fiel nicht auf, denn das kleine runde Unterteil mit dem verdickten Kopf, das von einem kleinen, runden federnden Oberteil gehalten wird, verschwindet immer unter der Knopfleiste.

Weitere Informationen zum Projekt Die Macht der Mode - Zwischen Kaiserreich, Weltkrieg und Republik

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