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Blick in die Textilsammlung im Museumsdepot mit zahlreichen Kleidungsstücken in Regalen

Petroleumkanne

1890er bis 1920er-Jahre (Herstellung)

Weiße Kanne mit Henkel und blauer Aufschrift Bild vergrößern

Petroleumkanne aus Emaille, Metall, 28 x 14 cm, Inv. Nr.: sg 08/217

Bis zur flächendeckenden Versorgung mit elektrischem Licht standen Petroleumkannen in vielen Haushalten. Sie wurden in speziellen Vertriebsstellen aufgefüllt, aus denen mit der Automobilisierung Tankstellen wurden.


Petroleum ist ein Produkt, das durch Destillation aus Erdöl gewonnen wird. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wird es vermehrt als Leuchtmittel verwendet und löste pflanzliche oder tierische Öle als Brennstoff ab. Petroleum wurde aus den USA nach Deutschland importiert, da es dort große Erdölvorkommen und entsprechende Vertriebsgesellschaften gab. Bis zur Automobilisierung Anfang des 20. Jahrhunderts blieb die Gewinnung von Petroleum der wichtigste Verwendungszweck für Erdöl. In Deutschland organisierte seit 1906 die Deutsche Petroleum-Verkaufs-Gesellschaft (DPVG) den Vertrieb.


Etwa zur gleichen Zeit nahm die Konkurrenz durch Elektrizität für die Beleuchtung zu. Petroleum als Leuchtmittel konnte dauerhaft gegenüber der Elektrizität nicht bestehen. Die Nutzung von Petroleumlampen war wegen des ständigen Nachfüllens unbequem und die Lichtstärke geringer. Brandgefahr, Ruß, Wärme und schlechte Luft durch Abgase aus der Verbrennung sprachen gegen die Verwendung von Petroleum.


Petroleum war dennoch lange in den Haushalten in Gebrauch. Die Werbekampagne „Elektrisches Licht ist billiger als Petroleum“ versprach kurz nach 1900 Kostenersparnis, aber die Preise für Lichtstrom waren gegenüber Petroleum bedeutend höher. Um die Jahrhundertwende kostete 1 kWh Strom ca. 60 Pfennig, ein Liter Petroleum hingegen 15 Pfennig. Nach heutigen technischen Maßstäben würde eine 60 Watt Glühlampe 17 Stunden, eine Petroleumlampe 8 bis 10 Stunden leuchten.


Erst mit dem Eintreten der Amerikaner in den Ersten Weltkrieg 1917 wurde Elektrizität staatlich gefördert, da die Petroleumlieferungen aus den USA eingeschränkt wurden. Doch gehörte die Petroleumkanne in den Haushalten zu dieser Zeit noch lange nicht der Vergangenheit an.


Die Petroleumkanne in der Sammlung des LVR-Industriemuseums ist emailliert und blau beschriftet. Über Ihre Provenienz ist nichts bekannt. Vermutlich wurde sie zwischen 1890 und den 1920er-Jahren hergestellt. 1890 wurde ein Verfahren für die Haftung von Grundemailles auf Blech gefunden, was Voraussetzung für die Massenproduktion emaillierter Blechwaren war. Noch in den späten 1920er-Jahren hatten nicht alle Haushalte elektrisches Licht, so dass Bedarf an Nachfüllkannen vorhanden war. Da Firmen wie die Graetz AG nachfüllbare Petroleumleuchten noch um 1960 herstellten, könnte die Petroleumkanne weiterhin in Gebrauch gewesen sein. Allerdings verblieben nur ca. 20 % der Petroleumleuchten auf dem deutschen Markt. Der Rest wurde in Länder exportiert, die kein flächendeckendes Elektrizitätsnetz hatten. Obwohl die Petroleumkanne keine Verwendung mehr fand, wurde sie aufbewahrt. Sei es der „schönen alten Dinge“ wegen oder sie wurde einfach im Keller oder Speicher vergessen.


Weitere Informationen unter Projekt "1914 – Mitten in Europa"

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