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Blick in die Textilsammlung im Museumsdepot mit zahlreichen Kleidungsstücken in Regalen

Werkstattschrank

um 1920

Holzschrank mit geöffneten Schranktüren Bild vergrößern

Werkstattschrank, um 1920, Holz, 190 x 113 x 43 cm, Inv. Nr. ob 92/1831

In Werkstätten werden Schränke gerne mit Postern, Kalenderblättern und Fotos beklebt. Als Museumsobjekte veranschaulichen diese nicht nur die Vorlieben ihrer Besitzer, sondern spiegeln Alltagskultur und historische Ereignisse wider.

Der Werkstattschrank des LVR-Industriemuseums wirkt auf den ersten Blick und von außen unspektakulär, doch öffnet man die Türen erzählen die aufgeklebten Bilder von schwierigen Zeiten in der deutschen Geschichte.


Auf der rechten Tür innen kleben Reste von Scheinen aus dem Jahr 1923. In diesem Jahr hatte die Inflation nach dem Ersten Weltkrieg ihren Höhepunkt erreicht.


Der obere Schein ist ein Gutschein über fünfhunderttausend Mark mit einem Bildmotiv eines Merkurs mit geflügeltem Helm. Merkur symbolisiert den Gott des Handels. Im Hintergrund rauchen Schornsteine als wäre die Produktion in den Fabriken und somit die Wirtschaft in vollem Gange. 1923 kam es jedoch zu einer Hyperinflation, denn die Wirtschaft war zusammengebrochen, der Staat war Pleite und konnte den Zahlungsverpflichtungen an die Alliierten nicht nachkommen. Die Regierung ließ neues Geld drucken, das nur kurze Zeit an Wert behielt. Zum Beispiel kostete in Berlin im Juni 1923 ein Ei 800 Reichsmark, im Dezember bereits 320 Milliarden Reichsmark.


Unter dem Bild des Gutscheins ist vermerkt: "herausgegeben von der Handelskammer M.Gladbach unter Garantieleistung der Städte des Handelskammerbezirks M.Gladbach. Die Einlösefrist sowie die Einlösungsstellen werden durch die Handelskammer M.Gladbach durch Aufkündigung in den amtlichen Kreisblättern des Handelskammerbezirks bekannt gemacht." Jede Stadt hatte zur Zeit der Inflation ihr eigenes Notgeld. Dieser Gutschein konnte gegen bares Geld eingetauscht werden. Unter dem Gutschein sind zwei Reichsbanknoten des Reichsbankdirektoriums Berlin zu je 20.000 Mark von 1923 zu erkennen. Die Scheine auf dem Werkstattschrank zeigen wie wertlos Geld sein kann. Sie dienen lediglich als Dekoration.

Auf der linken Tür innen befinden sich Reste einer nationalsozialistischen Zeitung, deutlich zu erkennen an den Fotos von Adolf Hitler. Sie wurde nach 1933 veröffentlicht. Vermutlich war einer der Vorbesitzer des Werkstattschrankes einmal Anhänger oder Mitglied der NSDAP.


Die Scheine und die Zeitung sind Zeugnisse zweier wichtiger historischer Abschnitte, nämlich der Inflation mit Verweis auf den Ersten Weltkrieg und die nachfolgende Diktatur des Nationalsozialismus, der nicht zuletzt aufgrund einer instabilen Wirtschaftslage in Deutschland Macht erlangen konnte.


Weitere Informationen zum Projekt "1914 – Mitten in Europa"

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