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Blick in die Textilsammlung im Museumsdepot mit zahlreichen Kleidungsstücken in Regalen

Henkelmänner

der 1920er, 1960er und 1970er Jahre

Vier Henkelmänner, drei aus Alluminium und einer aus braun emailliertem Stahlblech Bild vergrößern

Henkelmänner (Speisebehälter), braun emailliertes Stahlblech, Aluminium, um 1920 und 1950 - 60er Jahre, 18 x 14 x 9 cm, 20 x 13 x 8 cm, 15 x 13 x 7,5 cm, 14,5 x 12 x 7 cm, Inv. Nr.: ob 92/913, ob 89/2016, ra 04/665, sg 88 /178

Vor der Industrialisierung fanden Arbeit und Nahrungsaufnahme meist unter einem Dach oder zumindest in geringer Entfernung voneinander statt. In den Fabriken und Industriebetrieben dagegen wurde es für die Beschäftigten immer schwieriger, die Mahlzeit zu Hause im Kreise der Familie einzunehmen. Gegessen wurde jetzt in der Fabrik. Möglich machte das der Henkelmann, manchmal auch „Henkeltopf", im Rheinland „Mitchen" genannt.


Henkelmänner gab es, je nach den persönlichen Vorlieben der Benutzer, in verschiedenen Größen und Ausführungen. Das am Vorabend zu Hause zubereitete Essen wurde morgens in die Fabrik mitgenommen, oder Kinder bzw. Ehefrauen brachten den gefüllten Henkelmann zur Mittagszeit in die Fabrik an das Werktor. Im Laufe der Zeit stellten große Unternehmen ihrer Arbeiterschaft Möglichkeiten zur Verfügung, ihr Essen im Henkelmann in der Fabrik aufzuwärmen. Manche Betriebe verfügten sogar über spezielle Wärmeapparate, in denen die Essgeschirre – zumeist in einem Wasserbad – erhitzt werden konnten.


Gegessen wurde entweder am Arbeitsplatz oder in separaten Speise- oder Sozialräumen, den Vorläufern der Betriebskantinen. Auch nach Einrichtung der Betriebskantinen zogen viele Arbeiter noch lange Zeit „ihr" Essen aus dem Henkelmann der Gemeinschaftsverpflegung vor. Wenn der reibungslose Produktionsablauf es erforderte, so galt wie beim Bochumer Verein für Bergbau und Gussstahlproduktion, dass „durch das Essen die Arbeit nicht aufgehalten werden darf". Die Arbeiter in den Warmbetrieben aßen häufig „zwischendurch", beim Warten auf neues Material beispielsweise. Nicht selten wurde das mitgebrachte Essen vor Ort erwärmt, am Schmiedefeuer oder auf den Glüh- und Wärmeöfen.


Die Eisen- und Stahlwerke im Ruhrgebiet sorgten zudem für die ledigen Arbeiter, denen keine treu sorgende Ehefrau eine Mahlzeit zubereitete. Für diese Arbeiter wurde in den Küchen der Arbeiterwohn- und Kosthäuser gekocht. Die Henkelmänner wurden dann in eigens konstruierten Wärmewagen in die Betriebe transportiert.

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