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Historische Panorama-Aufnahme des Krupp-Werks in schwarz-weiß

Haare machen Leute

Ausstellung „Dauerwelle und Backenbart. HauptSache schön!"

31. März 2009

„Zeige mir dein Haar und ich sage dir, wer du bist." Haare gelten oft als Ausdruck der Persönlichkeit ihres Besitzers. Wer kennt sie nicht, all die Klischees über Haare: Die attraktive, jedoch auch dümmliche Blondine, die ‚Emanze' mit ihrem knabenhaften Kurzhaarschnitt oder aber generell die neue Frisur der Frau als Zeichen für eine gescheiterte Partnerschaft.


Über haarsträubende Angelegenheiten

Dass die intensive Beschäftigung mit dem Haar kein Phänomen ist, das sich erst in der Gegenwart entwickelt hat, zeigt die Sonderausstellung Dauerwelle und Backenbart. HauptSache schön. des LVR-Industriemuseums am Schauplatz Solingen. Als Gemeinschaftsproduktion mit dem Schauplatz Ratingen zeichnet die Ausstellung die Kulturgeschichte von Frisur und Rasur nach. Die körperliche Selbstinszenierung wird zusammen mit den hierzu nötigen Instrumenten und Techniken an Beispielen aus verschiedenen Epochen ausgehend vom 19. Jahrhundert bis hin zur Gegenwart untersucht. So wird gezeigt, wie sich die Gestaltung des Körpers durch die Haartracht in Zusammenhang mit historischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, Schönheitsidealen und Kleidermoden entwickelte.


Die Ausstellung ermöglicht ein Flanieren durch die Stil-Epochen anhand wechselnder Frisur- und Rasurmoden. Dabei wird deutlich, dass Haargestaltung für Status und Identität steht. So waren im 19. Jahrhundert zwar lange Haare für Frauen aller Schichten obligatorisch, soziale Unterschiede zeigten sich dagegen in den Möglichkeiten, komplizierte und aufwendige Hochsteckfrisuren zu tragen, sich fremde Haarteile und extravaganten Haarschmuck leisten zu können. Auch die Männer benutzen ihr Haar, um ihre gesellschaftliche Stellung oder ihre politische Gesinnung aller Welt kundzutun.

Mit der Entwicklung neuer Haarmoden ging auch immer ein technischer Fortschritt einher. Denn neue Frisur- oder Rasurtrends benötigten meist auch neue Gerätschaften und Arbeitsverfahren. Mithilfe seiner umfangreichen Sammlung an Bart-, Haarpflege- und Schneidinstrumenten aber auch an ausgewählten Produktionsmaschinen zeigt das LVR-Industriemuseum daher zugleich die Entwicklung vom Rasiermesser über die Rasierklinge zum Elektrorasierer auf. Neben der kulturgeschichtlichen Perspektive werden dadurch auch spannende Einblicke in wesentliche Kapitel der Industrie- und Technikgeschichte geboten.


Soziale Symbole

Frisur und Rasur werden anhand von Filmzusammenschnitten in den Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen und Leitbilder gestellt. Die Haarmode wird damit sowohl im individuellen Lebenszyklus – vom jugendlichen Punker bis hin zur grauhaarigen Großmutter – als auch unter Epochenleitbildern – vom wilhelminischen Bart über den Bubikopf zur Langhaartracht der Kommune II – betrachtet. Unterschiedliche Kleidungsstücke und Accessoires zeigen die Prägung der Haartracht durch modische Trends. Welche Möglichkeiten der Haargestaltung es heutzutage gibt und wie diese im Zusammenhang mit Körperidealen und Kleidertrends umgesetzt werden, ist ebenfalls zu sehen.


Das besondere Highlight der Ausstellung: Der originalgetreue Nachbau eines Friseursalons der 1950er Jahre mitsamt Einrichtung.

Wie aufwendig die Gestaltung von Frisuren einmal war, wird an einem der ersten elektrischen Heißwell-Apparate sowie alten Haartrocknern deutlich. Von einem der kleinsten Rasiermesser der Welt bis hin zu überdimensionalen Rasierwerkzeugen reicht die Auswahl an Rasier- und Haarschneideinstrumente. Außerdem lädt ein Mitmach-Bereich die Besucher ein, an Übungsköpfen verschiedene Frisuren selbst zu gestalten oder sich im Spiegel mit dichter Löwenmähne, koketter Glatze oder strengem Schnurrbart zu bestaunen. Daneben können die eigenen Haare, bei denen es sich aus biologischer Sicht um „Hautanhanggebilde" handelt, unter dem Mikroskop betrachtet und als lange Hornfäden identifiziert werden.


Die Kulturgeschichte von Frisur und Rasur wird in einer Begleitpublikation des LVR-Industriemuseums dargestellt, die für 6 € im Museumsshop in Solingen erworben werden kann.



LVR-Industriemuseum, Schauplatz Solingen

Merscheider Straße 289-297

42699 Solingen


Laufzeit der Ausstellung: 02.04.2009 – 30.12.2009

Öffnungszeiten: Dienstag - Sonntag, 10 - 17 Uhr

Pressekontakt


Anette Gantenberg

Tel.: 0208 8579-124

Fax: 0208 8579-122

Hansastraße 18

46049 Oberhausen


Silke Krebbing

Tel.: 0208 8579-155

Fax: 0208 8579-122

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