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Schwarz-weiß Aufnahme von gefalteten Zeitungen

Wie die Chinesen ihre Liebe ins Jenseits senden

Ausstellung im LVR-Industriemuseum Papiermühle Alte Dombach zeigt chinesisches Ritual zum Tod von geliebten Menschen

10. März 2017

Bergisch Gladbach. In China ist Papier nicht nur vor über 2000 Jahren erfunden worden, es spielt dort bis heute auch bei den Ritualen zum Tod eine wichtige Rolle. Dinge, die der Verstorbene für ein gutes Leben im Jenseits braucht, werden ihm in Form von Nachbildungen aus Papier gesandt: Sie werden verbrannt und nehmen dabei den Weg in die Welt der Toten. Die Ausstellung „Kleidung, Smartphone und Bananen aus Papier. Wie die Chinesen ihre Liebe ins Jenseits senden“ beleuchtet ab dem 12. März 2017 im LVR-Industriemuseum Papiermühle Alte Dombach in Bergisch Gladbach dieses über tausend Jahre alte Ritual und seine heutige Praxis mit papierenen Opfergaben aus dem Jahr 2016.


Ahnenverehrung in China

Die Verehrung der Ahnen hat in China eine lange Tradition und bis heute eine große Bedeutung. Bereits im 2. Jahrtausend vor Christi entsprach sie dem vorherrschenden Weltbild und war weit verbreitet. Sie wurde in alle Religionen, die sich in den folgenden Jahrtausenden in China durchsetzten, integriert und konnte so beibehalten werden.


Vom Diesseits ins Jenseits

Das Verbrennen von papierenen Opfern ist verbunden mit der Vorstellung einer jenseitigen Welt, in der Ahnen, Geister und Götter leben. Das Jenseits ist ein Spiegelbild der diesseitigen Welt, und die Bewohner beider Welten brauchen dieselben Dinge für ein gutes Leben. Götter, Geister und Ahnen haben großen Einfluss auf das Schicksal der Menschen. Deshalb möchten die Lebenden ihnen Annehmlichkeiten bieten und Wünsche erfüllen und schicken ihnen Dinge, die dafür wichtig sind. Die Voraussetzungen für ein gutes Leben im Jenseits entsprechen zwar in vielerlei Hinsicht denen im Diesseits, aber die Form ist doch eine grundlegend andere. Deshalb werden nicht reale Dinge zu den Toten gesandt, sondern Nachbildungen oder Miniaturen. Vermutlich seit dem 7. Jahrhundert nach Christi bestanden die Nachbildungen oft aus Papier und wurden verbrannt. Bereits in der späten Song-Zeit (960 bis 1279) werden Geschäfte und Verkaufsstände für solche Objekte beschrieben. Beim Verbrennen legen die Objekte den Weg vom Diesseits ins Jenseits zurück.


Von Kochgeschirr bis Geistergeld

Die Gaben orientieren sich an der Lebensweise und den Vorlieben des Verstorbenen. Es gibt Speisen, Genussmittel wie Zigaretten, Kochgeschirr, traditionelle und moderne Kleidung, Häuser und Hausrat, Kommunikationsgeräte wie Smartphone oder Computer, Autos, Musikinstrumente, Kinderspielzeug, auch Rollstühle und andere Hilfsmittel. Geld hat unter den Objekten für das Jenseits eine besondere Bedeutung. Imitationen von Zahlungsmitteln wie Kaurimuscheln, Silber- oder Goldbarren oder Münzen wurden schon in Gräbern aus vorchristlicher Zeit gefunden. So genanntes „Geister-“ oder „Höllengeld“ spielt noch heute eine wichtige Rolle.


Jenseits offizieller Glaubenssysteme

Das Ritual der Verbrennung von Papierobjekten, die Alltagsgegenstände darstellen, hat zwar eine lange Tradition und drückt die Überzeugung der Menschen aus, wurde aber von der staatlichen Obrigkeit immer eher geduldet als befürwortet. Heute wird versucht, es in geregelte Bahnen zu lenken, mit Verbrennungsöfen an den Friedhofsanlagen und Auflagen vor dem Hintergrund von Brand- und Umweltschutz.


Zwischen Tradition und Megacity

Die Ausstellung präsentiert nicht nur die Geschichte einer alten Tradition in China, sondern lässt auch Blicke auf den modernen Alltag in einem Land zu, das sich in den letzten Jahrzehnten tiefgreifend gewandelt hat und in dem sich traditionelle Lebensformen und modernste Megastädte gegenüberstehen.


Partner

Bei der Konzeption der Ausstellung hat das LVR-Industriemuseum mit Xuemei Täubner-Liu aus Nanjing und dem Sinologen, Kunsthistoriker und Ausstellungskurator Dr. Thomas Täubner zusammengearbeitet. Sie betreiben das China Forum Galerie T in Kürten und organisieren Ausstellungen und Kulturkontakte mit China. Im Jahr 2016 haben sie die ausgestellten Objekte in Changchun, Nanjing, Changzhou, Xuancheng und Hanghzou im Osten der Volksrepublik China zusammengetragen und für die Ausstellung recherchiert.



LVR-Industriemuseum

Papiermühle Alte Dombach

Alte Dombach

51465 Bergisch Gladbach


Laufzeit: 12.3.2017 – 22.12.2017


Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 10 – 17 Uhr, samstags, sonntags und feiertags 11 – 18 Uhr. Geschlossen an Karfreitag (14.4.2017) und Ostermontag (17.4.2017).


Eintrittspreise: 3 €, erm. 2,50 €, Kombiticket mit Dauerausstellung 6 €. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben im LVR-Industriemuseum freien Eintritt.


Besucherinformationen und Buchungen von Führungen bei kulturinfo rheinland

Tel.: 02234/9921-555 (Mo-Fr 8-18 Uhr; Sa, So und an Feiertagen 10-15 Uhr)

Fax: 02234/9921-300

Mail:

Pressefotos

Die Pressebilder dürfen nur zu Pressezwecken im Rahmen der aktuellen Berichterstattung über die Ausstellung "Kleidung, Smartphone und Bananen aus Papier. Wie die Chinesen ihre Liebe ins Jenseits senden" des LVR-Industriemuseums Papiermühle Alte Dombach genutzt werden. Eine gesonderte Verwendung der Fotos ist nicht erlaubt.

Ein Smartphone und ein Tablett aus Papier

Moderne Geräte aus Papier

Foto: Robin Stecken, © LVR-Industriemuseum


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Fot zeigt ein Drachenschiff aus Papier

Drachenschiff. Der Drache ist das wichtigste Symboltier in China. Drachenschiffe spielen bei Feierlichkeiten eine wichtige Rolle.

Foto: Robin Stecken, © LVR-Industriemuseum


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Foto zeigt ein blaues Fahrrad aus Papier

Fahrrad aus Papier

Foto: Robin Stecken, © LVR-Industriemuseum


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Mann und Frau verbrennen eine Opfergabe auf einem Friedhof

Verbrennen einer Opfergabe am Friedhof von Nan-king, China 2016

Foto: Thomas Täubner, © LVR-Industriemuseum


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Foto zeigt Besucher in einem Geschäft für Opfergaben

Einkauf einer Opfergabe im Geschäft in Changchun, China 2016

Foto: Thomas Täubner, © LVR-Industriemuseum


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Sch/W-Foto eines alten Ford-Autos aus Papier

Ford Model T aus Papier, Peking, 1917-1919

Foto: Sidney Gamble. M. Rubenstein Rare Book & Manuscript Library, Duke University, Durham, USA


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Sch/W-Foto zeigt Männer die Opfergeld auf der Straße verbrennen

Verbrennen von "Geistergeld", Peking, 1917-1919

Foto: Sidney Gamble. M. Rubenstein Rare Book & Manuscript Library, Duke University, Durham, USA


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Sch/W-Fotos zeigt Dienerfiguren aus Papier

Dienerfiguren aus Papier, Peking, 1917-1919

Foto: Sidney Gamble. M. Rubenstein Rare Book & Manuscript Library, Duke University, Durham, USA


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Sch/W-Foto zeigt Männer vor einem Marktstand beim Silberkauf aus Papier

Mittelloser erwirbt Papier-"Silber", Peking, 1917-1919

Foto: Sidney Gamble. M. Rubenstein Rare Book & Manuscript Library, Duke University, Durham, USA


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Pressekontakt


Anette Gantenberg

Tel.: 0208 8579-124

Fax: 0208 8579-122

Hansastraße 18

46049 Oberhausen


Silke Krebbing

Tel.: 0208 8579-155

Fax: 0208 8579-122

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