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Vom verführerischen Nylon zur bequemen Socke

Ausstellung „Deutsche Strumpfdynastien – Maschen, Mode, Macher“ im LVR-Industriemuseum Textilfabrik Cromford lädt zu einer Zeitreise durch 200 Jahre deutsche Strumpfmode

16. Mai 2017

Ratingen. Das weibliche Bein mit hauchzartem Strumpf gilt bis heute für viele als Inbegriff des sinnlich Begehrenswerten. Dabei rührt der erotische Reiz gerade aus dem Spannungsfeld zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit. Der Strumpf verführt, weil er andeutet, wo er aufhört. Die Ausstellung „Deutsche Strumpfdynastien – Maschen, Mode, Macher“ zeigt ab dem 21. Mai 2017 in der Textilfabrik Cromford, wie sich die Strumpfmode in den letzten 200 Jahren verändert hat: vom handgestrickten Strumpf des 18. Jahrhunderts über die verführerischen „Nylons“ bis zur bequemen Socke. Sie erzählt die Geschichte des Strumpfes nicht nur aus mode- und kulturhistorischer Perspektive, sondern nimmt auch berühmte Hersteller in den Blick. Mitmachstationen laden ein, so manches Geheimnis rund um den Strumpf aufzudecken. Besucherinnen und Besucher erfahren zum Beispiel, wie viele Kilometer eine Socke zurücklegt und wohin die Strümpfe in der Waschmaschine verschwinden.


Die Unternehmer als Macher – Spielarten der Unternehmensführung

Die Ausstellung vermittelt die Faszination des so vielfältigen Produktes Strumpf auf über 500 Quadratmetern und verteilt über drei Etagen. Im Zentrum der vom Staatlichen Textil- und Industriemuseum Augsburg konzipierten Schau stehen die Macher: die Unternehmer, die mit technischer Innovationskraft, unternehmerischer Weitsicht und kreativem Marketing ihre Branche zum Erfolg führen. Waren früher Unternehmerdynastien wie die Esches, Bahners oder Kunerts tonangebend, so prägen heute die Falkes nicht nur in Deutschland das Bild der ganzen Branche. Jeder dieser prägenden Familien widmet die Ausstellung ein eigenes Kabinett. Den Anfang jedoch macht Johann Gottfried Brügelmann, der nicht nur 1784 die erste mechanische Baumwollspinnerei Cromford in Ratingen gründete, sondern hier auch auf Wirkstühlen und in Heimarbeit Strümpfe produzieren ließ.


Die Arbeitnehmer als Macher – Einblicke in die soziale Welt der Betriebe

Der Erfolg der Strumpfindustrie geht nicht allein auf die jeweiligen Unternehmer zurück. Immer braucht es auch die Arbeiterschaft, die in spezialisierten Berufen die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens bestimmt. Die Strumpfbranche war vorwiegend ein Arbeitsplatz für Frauen, die oft bis zu 70 Prozent der Belegschaft eines Betriebs ausmachten. Viele Beschäftigungen galten als Anlernberufe, auch wenn sie hohes Geschick erforderten. Beim Ketteln beispielsweise mussten, um die Spitze des fertig gestrickten Strumpfes zu schließen, von Hand Masche für Masche einzeln miteinander verbunden werden. In Westdeutschland stiegen die Beschäftigtenzahlen der Strumpfindustrie nach dem Krieg von etwa 10.000 auf etwa 37.000 Anfang der 1970er Jahre. Einen nicht unwesentlichen Teil der Arbeitskräfte stellten ehemalige Beschäftigte, die vor dem Zweiten Weltkrieg in Böhmen gearbeitet hatten. Später stießen so genannte „Gastarbeiter“ aus Italien, dem ehemaligen Jugoslawien oder der Türkei dazu, die die Betriebe verstärkten. Die Gewerkschaften standen Seite an Seite mit der Arbeiterschaft vor allem seit den 1970er Jahren, als die Beschäftigungszahlen in Deutschland kontinuierlich rückläufig waren.


Die Maschen – laufende Maschinen

Das Handstricken – also die Maschenbildung mit zwei Nadeln – ist eine Jahrtausende alte Technik. Deren Mechanisierung begann im Jahr 1589 mit der Erfindung des Kulierwirkstuhls und der Spitzennadel. Ein Wirkstuhl aus dem 18. Jahrhundert kann in der Ausstellung besichtigt werden. Außerdem erfahren die Besucherinnen und Besucher an Maschinen, welche Arbeitsschritte nötig sind, um einen Strumpf herzustellen – angefangen beim Garn bis zum fertig gefärbten und geformten Strumpf.


Die Mode

Ebenso richtet sich der Blick auf die modischen Zeitumstände der jeweiligen Epochen der vergangenen 200 Jahre. Was als erotisch empfunden wird, liegt dabei nicht allein im Auge des Betrachters, sondern unterliegt vielfach den kulturellen Prägungen der jeweiligen Zeit. Hatte der Reifrock des 19. Jahrhunderts das weibliche Bein komplett verdeckt, trug es der Minirock der 1960er Jahre in einem nie dagewesenen Maße zur Schau. Es ist die Mode, die das Konsumverhalten bestimmt und folglich der Strumpfindustrie ihre mehr oder weniger kurzlebigen Konjunkturen diktiert. Denn der Strumpf als Massenartikel will verkauft sein. Die Strumpfwerbung spielt bewusst mit einer sinnlichen Ästhetik, mit dem erotischen Reiz, mit moralischen Tabubrüchen; sie entwirft Idealbilder von Frauen. Zielte die Werbung in den 1950er Jahren ganz auf Eleganz, die Personen der High Society wie sie Marlene Dietrich oder die persische Kaiserin Soraya verkörperten, so zeigt die heutige Werbung viel nackte Haut, verführerisch in Strumpf verpackt. In einem originalen Strumpfladen aus den 1950er Jahren können Besucherinnen und Besucher den Hauch der Wirtschaftswunderzeit verspüren.


Zur Ausstellung erscheint ein Begleitheft zum Preis von 5 €.


Weitere Informationen auf www.maschen-mode-macher.lvr.de


LVR-Industriemuseum
Textilfabrik Cromford
Cromforder Allee 24
40878 Ratingen


Laufzeit: 21. Mai 2017 bis 22. Dezember 2017


Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 10–17 Uhr, samstags und sonntags 11–18 Uhr


Eintrittspreise: 5,50 €, erm. 4 €, Kombiticket mit Dauerausstellung 8 €, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben im LVR-Industriemuseum freien Eintritt.


Besucherinfos und Buchungen von Führungen
kulturinfo rheinland
Tel.: 02234/9921-555 (Mo-Fr 8-18 Uhr, Sa, So und an Feiertagen 10-15 Uhr)
oder per Mail an


Pressefotos

Die Pressebilder dürfen nur zu Pressezwecken im Rahmen der aktuellen Berichterstattung über die Ausstellung "Deutsche Strumpfdynastien - Maschen, Mode, Macher" des LVR-Industriemuseums Textilfabrik Cromford genutzt werden. Eine gesonderte Verwendung der Fotos ist nicht erlaubt.


Große Strumpfbeine vor einer Wand

Fotoinzenierung "Strümpfe"

© Maik Kern


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Große Fotowand mit verschiedenen Strumpfbeinen

Blick auf die Foto-Wand mit verschiedenen Strümpfen in der Ausstellung

© Maik Kern


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Foto zeigt historischen Strumpf-Webstuhl

Strumpfwirkstuhl aus dem 18. Jahrhundert, Museum Haus Martfeld Schwelm

Foto: Jürgen Hoffmann, © LVR-Industriemuseum


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Foto zeigt bunte Socken auf einer Wandinszenierung in der Ausstellung

Kinderkniestrümpfe der Firma Falke

Foto: Jürgen Hoffmann, © LVR-Industriemuseum


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Elektrische Geräte mit Zubehör liegen auf einem Tisch

Elektrische Repassiermaschine "Kolibri", 1955

© LVR-Industriemuseum


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Historisches Schwarzweiß-Foto von Frauen, die in einer Fabrik arbeiten

Plastifizieren von Feinstrümpfen in der Formerei der Firma "Elbeo"

© Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg


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Historisches Werbebild mit einer Frau und zwei Herren im Matrosenanzug

Webebild der Firma "Kunert", 1961

© Andreas Brücklmayer


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Foto zeigt einen Ringelstrumpf mit aufgestickten Streifen

Ringelstrumpf mit aufgestickten Streifen, 1885

© Andreas Brücklmayer


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Foto zeigt einen weißen Aussteuerstrumpf

Aussteuerstrumpf, um 1850

© Maik Kern


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Historisches Werbebild, auf dem eine Frau in einem roten Sessel sitzt

Erste Werbe- und Verpackungslinie für "Chinchilla" des Herstellers Kunert, 1966-1967

© Förderverein zur Pflege der Geschichte der deutschen Strumpfindustrie


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Foto zeigt eine schwarze Strumpfhose

Strumpfhose "Diament", von Yves Saint Laurent

© Andreas Brücklmayer


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Foto zeigt einen Strumpfautomat

Strumpfautomat, 1961

© Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg


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Foto zeigt drei verschiedene Strumpfverpackungen

Strumpfhosenverpackungen, 1960er und 1970er Jahre

© LVR-Industriemuseum


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Foto zeigt eine Strumpf mit Naht

Strumpf mit Naht, 1950er Jahre

Foto: Jürgen Hoffmann, © LVR-Industriemuseum


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Foto zeigt eine Waschmaschine mit dem Bild der Maus im Bullauge

Medienstation: Was passiert mit dem Strumpf in der Waschmaschine?
Foto: Jürgen Hoffmann, © LVR-Industriemuseum


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